Vereinschronik des MGV Waibstadt
Unter denjenigen Vereinen in Waibstadt, die seit ihrer Gründung noch tätig sind, ist der Männergesangverein „Sängerkranz“ der älteste. Um den Reichtum des deutschen Liedgutes zu pflegen, um Festtage durch Singen zu verschönern und Trauer zu erleichtern, wurde zu Anfang des Jahres 1863 die Gründung eines Männergesangvereines angeregt und am 8. Mai der Entschluss vollzogen. Die Gründer einigten sich auf den Namen „Sängerkranz Waibstadt“.
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Die 21 Gründungsmitglieder haben am 7. Juni 1863 bei der 1. Generalversammlung folgenden Vorstand gewählt:
Jakob Seeber (Stadtschreiber) als 1. Vorsitzenden
Johannes Konrad (Polizeidiener) als Dirigenten
Gottfried Elfner als Schriftführer
Wilhelm Lott als Kassier
Die Namen aller Gründungsmitglieder konnten leider nicht mehr ermittelt werden, doch im Protokollbuch ist erwähnt, dass beim 25-jährigen Stiftungsfest 1888 noch 12 Mitbegründer anwesend waren, nämlich Wilhelm Bertsch, Karl Boppre, Wilhelm Eberlein, Hermann Glück, Josef Konrad, Julius Lang, J.L. Marx, C.A. Schäfer, Jakob Seeber, Friedrich Veitenheimer, Karl Werner und Wilhelm Wittmann.
Mit Freude und Begeisterung begann der junge Verein seine Tätigkeit. Zuerst organisierte man Sängerkranz-Bälle, dann sparte man auf eine Vereinsfahne. Bei einem Monatsbeitrag von 3 Kreuzern (=badisches Geld) ist es erstaunlich, dass bereits am 28. Mai 1865 16 Gesangvereine der näheren und weiteren Umgebung zur Fahnenweihe eingeladen werden konnten. Weil während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 auch viele aktive Sänger zu den Waffen berufen wurden, ruhten die Vereinstätigkeiten bis zum 1. November 1871. Nach der Gründung des 2. Deutschen Reiches am 18.1.1871 musste nun auch der Mitgliederbeitrag auf die neue deutsche Einheitswährung umgestellt werden: Er betrug nunmehr 1 Mark 20 Pf. (= 10 Pf pro Monat, 1879 auf 15 Pf erhöht).
Bescheiden feierte man das 10jährige Stiftungsfest 1873, wobei lediglich die benachbarten Gesangvereine aus Neidenstein, Epfenbach, Neckarbischofsheim, Rohrbach, Steinsfurt und Sinsheim das Fest mit ihren Gesangsbeiträgen umrahmten. Ohne herausragende Ereignisse verliefen auch die folgenden Jahre, wobei lediglich der Besuch des Großherzogs von Baden 1880 für einige Aufregung sorgte weil man neue Lieder für die Begrüßungsfeier einstudieren musste. Mit welch bescheidenen Mitteln der Verein auskommen musste, zeigt ein Blick in das Rechnungsbuch des Kassiers, das am 31.12.1880 ein Barvermögen von 4,44 Mark auswies.
Ein Höhepunkt besonderer Art war natürlich 1881 der Besuch des Deutschen Kaisers Wilhelm 1. in Waibstadt.
1882 beschloss die Vorstandschaft, jedes Jahr an Dreikönig eine Winterfeier abzuhalten, ein Beschluss, der heute noch seine Gültigkeit hat und eine beliebte Veranstaltung im Terminkalender der Waibstadter Vereine darstellt.
Was Solidarität und spontane Hilfeleistung bedeutet, wurde jedem Waibstadter durch die beiden Unwetterkatastrophen vom Dezember 1993 und Juni 1994 deutlich. Bereits 1883 gab es eine ähnliche Katastrophe, die weite Teile des Großherzogtums Baden betroffen hatte. Der Sängerkranz Waibstadt führte sogleich eine Veranstaltung durch und überwies dem Unterstützungs-Comité in Karlsruhe den Betrag von 30 Mark, eine lächerliche Summe aus heutiger Sicht, nach damaliger Kaufkraft aber ein durchaus respektabler Betrag eines Vereins, der gerade 24 aktive und 33 passive Mitglieder zählte.
Ab 1884 begann der Verein für seine Mitgleider und für die gesamte Bevölkerung Theaterstücke aufzuführen, was eine inzwischen über 100-jährige Tradition einleitete und auch heute noch zum unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Angebotes des Sängerkranzes gehört.
Bei der 3. großen Brandkatastrophe (nach 1847 und 1848), die 1889 in Waibstadt wütete, wurde auch die bei Hofkonditor C.A. Schäfer aufbewahrte Vereinsfahne ein Raub der Flammen. Erst zwei Jahre später konnte durch Spenden der Einwohner, der befreundeten Vereine und des Badischen Sängerbundes eine neue Fahne geweiht werden.
Nachdem man sich in den Jahren 1894/95 nicht mehr nur in den Nachbargemeinden an Sängerfesten beteiligt hatte, sondern sich auch in die Rheinebene hinauswagte und ehrenvoll bestand, bedeutete die erstmalige Teilnahme am Badischen Sängerfefst in der Residenzstadt Karlsruhe für die 25 Sänger ein großes Erlebnis.
1896 wurde in der Alten Sinsheimer Straße das neue Schulgebäude eingeweiht, in dem von nun an die Proben durchgeführt wurden. Wenn man die Liste der Dirigenten anschaut, so fällt sofort auf, dass der Dirigentenstab von diesem Zeitpunkt an – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in der Hand eines Lehrers lag. 1903 wie 1913 wurden das 40- wie das 50-jährige Stiftungsfest ohne großen Aufwand gefeiert. Während des 1. Weltkrieges von 1914 – 1918 wurden die Chorproben wiederum eingestellt, für neun Mitglieder, die ihr Leben lassen mussten, konnten nur Trauergesänge angestimmt werden.
Erst am 8. Februar 1919 konnten mit den verbliebenen 22 Sängern die Proben wieder aufgenommen und – nach 5-jähriger Pause – 1920 auch die Tradition der Deikönigsfeier fortgeführt werden. Bei Wertungssingen in der näheren und weiteren Umgebung wurde bald wieder an die Erfolge der Vorkriegszeit angeknüpft. 1921 schloss sich der MGV dem Sängerkreis Elsenzgau an.
Wie bei den Anlässen zuvor wurde auch 1923 das 60-jährige Jubiläum nur im kleinen Rahmen der Dreikönigsfeier begangen. Nach diesen schlimmen Jahren der Nachkriegsnot und Inflation folgten Jahre der Besserung. Die Zahl der aktiven Sänger stieg bis Ende 1926 auf 62, der Kassenstand erlaubte sogar die Anschaffung des Badischen Sängerbuches. Beim großen Heimattag der Stadt 1927 übernahm der Sängerkranz mit dem Musikverein die musikalische Umrahmung des Festes und beteiligte sich selbst auch am Festzug. Stark beeindruckt kamen 1929 die 30 teilnehmenden Sänger vom Badischen Landessängerfest aus Freiburg i. Br. zurück. Erstmals in der Vereinsgeschichte musste 1931 der Mitgliedsbeitrag nicht erhöht, sondern gesenkt werden weil die Folgen der schweren Weltwirtschaftskrise sich bis nach Waibstadt bemerkbar machten und viele arbeitslos wurden. Die nächste Dekade, das 70-jährige Jubiläum, wurde wie vorher zusammen mit dem Dreikönigsfest bescheiden gestaltet. Während der Zeit es Nationalsozialismus wurde der Verein mehr und mehr frembestimmt, d.h. er musste bei Reden oder sonstigen staatlichen Anlässen das Rahmenprogramm beisteuern. Er stand unter Erwartungsdruck und konnte sich kaum entziehen. Als am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach wurden bald 18 Sänger, darunter auch der Dirigent zum Heeresdienst einberufen. Die Proben mussten wieder einmal eingestellt werden. 14 aktive Sänger kehrten von den verschiedenen Fronten des Krieges nicht mehr zurück.
Nach langer Pause wurde die Vereinstätigkeit am 5. Januar 1946 wieder aufgenommen, doch der Neuanfang gestaltete sich diesmal viel schwerer als nach dem 1. Weltkrieg. Die allgemeine Notlage hatte dem Verein allerdings auch einen Glücksfall beschert. Der aus seiner sudetendeutschen Heimat vertriebene und nun in Waibstadt wohnende Musiklehrer und Organist Alfons Kade wurde Dirigent und führte den Sängerkranz ziwschen 1946 und 1951 zu ungeahnten Höhen. Unter seiner Leitung übernahm der Verein die gesangliche Umrahmung der Waibstadter Heimattage 1951 und eine weitere erfolgreiche Teilnahme beim Badischen Sängerfest in Karlsruhe.
Das 90-jährige Vereinsjubiläum wurde 1953 feierlich begangen unter Mitwirkung von 19 Gastchören. Als 1954 der Musiker und Pianist Günther Krieger den Dirigentenstab übernahm, wurden Überlegungen angestellt, aus dem bisherigen reinen Männerchor einen gemischten Chor zu machen. Die Jahreshauptversammlung vom 19.03.1955 nahm diese Anregung auf und beschloss die Gründung eines gemischten Chores. Mit Konzerten von C.M. Weber erntete man bald einen großen Erfolg. Der Chor trat erstmals auch im Chorsingen des Süddeutschen Rundfunks auf und erreichte bei den Konzerten und Sängerfesten hervorragende Bewertungen.
Das 100-jährige Jubiläum 1963 wurde eine glanzvolle Feier zu Ehren des deutschen Liedgutes. Durch den Vorsitzenden des Elsenzgaues Herrn Stoll wurde dem Vorsitzenden Heinz Rieser die Friedrich Zelter-Plakette überreicht. Außerdem spendeten die passiven Mitglieder dem Sängerkranz eine neue Vereinsfahne.
Nach 12-jähriger erfolgreicher Dirigententätigkeit gab 1966 Günther Krieger den Führungsstab an Pirmin Louis weiter, der den Chor bis zum Januar 2002 mit großem Sachverstand dirigierte. Da die Zahl der Sängerinnen stetig zurückging sah sich der Verein gezwungen, den Chor wieder auf einen reinen Männerchor umzustellen. Trotz dieser Änderung konnten die Leistungen bei Wertungssingen auf „hervorragend mit Auszeichnung“ gesteigert werden.
Als gelungenes Gartenfest im Schulhof der Grund- und Hauptschule wurde 1973 das 110-jährige Stiftungsfest mit Orts- und Gastvereinen gefeiert.
Erfolgreich und mit guten Eindrücken kam 1975 der Chor vom Badischen Sängerfest in Mannheim zurück.
15 Jahre lang fanden die Chorproben im Saal des Feuerwehrgerätehauses in der Pfarrstraße statt. Nachdem das 1896 gebaute alte Schulgebäude als Freizeitheim umgebaut und den Vereinen zur Verfügung gestellt wurde, können ab 1982 die Proben hierher verlegt werden.
1988 zog der Verein nach 125-jähriger Tätigkeitwiederum eine Zwischenbilanz. Mit 52 aktiven Sängern bewies der Männerchor seine ungebrochene gute Tradition und seinen berechtigten Stolz, eine so lange Zeit als wesentlicher Träger das kulturelle Leben der Stadt Waibstadt mitgestaltet zu haben. 35 Jahre lang hatte der Vorsitzende Heinz Rieser die Geschicke des Vereins geleitet. Wegen seiner großen Verdienste wurde er vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg mit der Landesmedaille geehrt. Die Jahreshauptversammlung wählte nun 1989 den bisherigen Stellvertreter Kurt Jais zum neuen 1. Vorsitzenden, der mit großer Umsicht dem Verein bis zur Jahreshauptversammlung 10.03.2006 vorstand. Bei seinem Ausscheiden wurde er zum Ehrenvorstand ernannt.
Am 25.01.2002 wurde Herbert Bromberg in sein Amt als Dirigent eingeführt. Seine Amtszeit war jedoch nur von kurzer Dauer, denn bereits am 10. Mai des selben Jahres übernahm der erst 18-jährige Sebastian Müller den Dirigentenstab, den er auch heute noch inne hat. Bei seiner musikalischen Abiturprüfung am 18. März 2003 konnte Herr Müller mit den beiden Liedern: „Im Abendrot“, von Franz Schubert, und „Höre mein Rufen“, Satz: Hans Weiß-Steinsberg, den Männerchor zur Höchstleistung heranführen. Hierfür erhielt er dann auch 15 Punkte, in der Gesangssprache „Hervorragend“. Bald darauf, am Samstag und Sonntag, 24./25. Mai 2003, wurde das 140-jährige Vereinsjubiläum im Festzelt vor der Stadthalle mit insgesamt zehn geladenen Chören gebührend gefeiert. Wegen der ständig sinkenden Mitgliederzahl des Männerchores wurde ein Frauenchor ins Leben gerufen. Zur ersten Singstunde, am 12.09.2003, waren sieben Damen erschienen, inzwischen zählt der Chor 30 Mitglieder. Bei der Jahreshauptverammlung am 10.03.2006 wurde Uwe Rimmler zum 1. Vorsitzenden gewählt. Bei seiner Antrittsrede nannte er einige Schwerpunkte seines künftigen Verantwortungsbereichs wie zum Beispiel Repräsentation des Vereins nach innen und außen, Öffentlichkeitsarbeit, positive Berichterstattung und insbesondere Werbung neuer Mitglieder. Dirigent und neuer Vorstand gründeten nach einer umfangreichen gezielten Werbekampagne am 17. Juli 2007 den Chor „Junge Männer “ der sich wenig später den Namen "Isch Ebbes !!??"zulegte, eine bisher einzigartige Sache in der hiesigen Region. Der Chor zählt am heutigen Tage 16 aktive Mitglieder.